Die Mentalität, die hinter diesem wenigsten mal ehrlichen offenen Brief an die 8 Jahre lang entführte Natalie Kampusch steht, kotzt mich total an:
Sie wollen wissen, warum wir so sind? Warum wir Sie nicht einfach in Ruhe lassen können, Ihnen Zeit geben, bis Sie die Kraft haben, Ihre Geschichte zu erzählen? Und im Zweifelsfall sogar akzeptieren, wenn Sie es vorziehen, zu schweigen? Die raffinierte Antwort lautet: Wir glauben, daß die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, Ihre Geschichte zu erfahren - ob Sie das wollen oder nicht. […]
Vor allem aber fühlen wir uns verpflichtet, die Wahrheit zu schreiben […]
Und dann geht es weiter:
Natürlich gibt es noch eine andere Antwort, denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir längst nicht mehr, was das ist: die Wahrheit. Aber wir wissen, was die Leute lesen wollen, hören wollen, sehen wollen. Das reicht uns. Die Leute wollen das Neue, das Dramatische, das Ungewöhnliche, sie wollen den Eklat und den Skandal. Wir wissen nicht, warum, aber wir können nichts dagegen tun. Das Gesetz unseres Berufs heißt nicht: „Du sollst nicht lügen!“ Es heißt: „Du sollst nicht langweilen!“
Als ich letzte Woche von dem Fall im Radio hörte war ich völlig entsetzt, was das arme Mädchen durchmachen musste. Ich möchte nicht, dass ihr im Namen des allgemeinen Interesse (also letztlich auch in meinem Namen) zusätzliche Quälereien seitens der Presse zugefügt werden. Für die Akten: Für mich muss die Presse keine weiteren Neuigkeiten über den “Fall” Kampusch bringen!
Hier ist der komplette Brief, der viel über uns und unserer Gesellschaft aussagt: Entführungsfall Kampusch: Unsere Neugier ist grenzenlos
gefunden im Law-Blog

