“Deutschland ist wirklich kinderfreundlich” sagte auf der Party am Sonntag eine Frau und meinte es ernst. Sie findet es toll so wie es ist und findet es gut, dass auch ein Wirt in Nürnberg jetzt keine Kinder mehr in seine Gaststätte lässt. Das wäre auch für Eltern schön mal ohne Kinder sein zu können.

Das sehe ich anders und bin ziemlich unglücklich über die Selbstverständlichkeit mit der Kinder diskriminiert werden. Natürlich ist es gut, wenn Kindern Grenzen gesetzt werden, aber die Beispiele von völlig verhaltensauffälligen Kindern, die den Eltern auf der Nase rum tanzten und die Umgebung ins Chaos schickten, sind für mich nur vorgeschoben. Außerdem ist ein Lokalverbot keine derartige Grenze. Mit dem gleichen Argument könnte man das Alkoholtrinken in Kneipen verbieten, denn da gibt es auch genug Beispiele von Gästen, die sich nach Alkoholgenuss daneben benahmen.

Jedenfalls hatte ich vor ein paar Monaten über den Fall der Kindertagesstätte gelesen, die an einer sehr lauten Straße lag und deren Nachbarn sich nicht etwa über den Autolärm im Berufsverkehr beschwerten, sondern über die spielenden Kinder. Wir wohnen übrigens auch neben einem Kindergarten (mit 4 Gruppen) und sind ganz zufrieden. Wenn ich zu Hause bin, dann hört man von denen übrigens nichts mehr… ;-)

Naja, jedenfalls gewonnen die Anwohner vor Gericht. Im Spiegel wird die traurige Fortsetzung beschrieben: Die Anwohner des neuen Standortes gingen per Anwalt gegen die geplante Kindertagesstätte vor: “Zu laut: Kindergarten mit Lärmschutzwand

Damit der Bau im Sommer 2008 bezugsfertig ist und der Mietvertrag unterschrieben werden konnte, musste eine Entscheidung fallen. “Wir sind wahnsinnig froh, endlich eine Bleibe zu haben”, sagt Anja Matthies vom Trägerverein. “Die Lärmschutzmauer hinterlässt jedoch einen bitteren Beigeschmack.” Man wolle sie in jedem Fall bepflanzen, “einen schönen kleinen Urwald züchten”, sagt “Marienkäfer”-Mutter Marziniak.

Ein ähnlicher Fall hat sich laut “Sächsischer Zeitung” vergangenen Juni in Dresden abgespielt: Ein Anwohner hatte sich über den Lärm der Kita “Kichererbsen” beschwert, klagte und bekam vom Oberlandesgericht eine drei Meter hohe und 25 Meter lange Lärmschutzmauer zugesprochen.

Schade, sehr schade!